Wenn Buchstaben spürbar werden
mit: Farbe Papier Maschinen
Wer wir sind
Wir sind Gestalterinnen, Künstler, Handwerker und Typografie-Enthusiasten. In der Offizin August drucken, schneiden, prägen, binden und experimentieren wir. Unsere Werkzeuge reichen von Bleisatz und Holzlettern über Andruckpressen und Tiegel. Uns interessiert, wie altes Wissen mit zeitgenössischem Design verschmilzt – nicht als Geste der Bewahrung, sondern als aktive Praxis.
Warum wir das tun
Die Welt wird zunehmend abstrakt. Vieles ist verfügbar, wenig bleibt greifbar. Die künstliche Intelligenz schreibt Gedichte, malt Bilder, macht Vorschläge – und suggeriert, dass Kreativität ein rechenbarer Vorgang sei. Aber was passiert mit dem Denken durch die Hand? Mit dem Spüren von Material, mit dem Gewicht eines Werkzeugs, mit der Langsamkeit des Entstehens?
In der Offizin August geht es um das Begreifen im Wortsinn. Um Dinge, die nicht simuliert, sondern gemacht sind. Um Prozesse, die Widerstand leisten – durch Druck, durch Material, durch Maschinen, die kein Undo kennen.
Papier hat eine Vorder- und eine Rückseite. Farbe lässt sich riechen. Buchstaben sind Objekte aus Metall oder Holz, nicht nur Vektoren auf einem Bildschirm. Unsere Schriften tragen Gebrauchsspuren, manche sind über hundert Jahre alt.
Wir glauben, dass Herstellung mehr ist als ein Produktionsschritt. Sie ist Erkenntnis. Wir bewahren nicht aus Prinzip, sondern durch Tun. Unsere Maschinen leben, solange sie arbeiten.
Offizin August ist kein Museum. Aber ein Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und Gestaltung ineinandergreifen. Wer mitmacht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Druck – sondern um Haltung.
DRUCKVERFAHREN
Entdecke die Werkzeuge des Hochdrucks
Ein Blick zurück
Die Entstehung des Buchdrucks
Die Wurzeln des Buchdrucks reichen weit zurück – bis nach China. Dort wurde bereits im 9. Jahrhundert mit Holzschnitt-Techniken gedruckt. Im 11. Jahrhundert entwickelte der Erfinder Bi Sheng erstmals bewegliche Lettern aus Ton. Wegen der Vielzahl chinesischer Schriftzeichen konnte sich dieses Verfahren jedoch nicht durchsetzen.
Den entscheidenden Durchbruch brachte im 15. Jahrhundert Johannes Gutenberg in Mainz. Um 1450 entwickelte er den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern, einer speziellen Druckerpresse und einer haltbaren Druckerschwärze. Mit der berühmten Gutenberg-Bibel von 1454 begann die massenhafte Verbreitung von Büchern in Europa.
Wenig später prägte der venezianische Verleger Aldus Manutius das gedruckte Buch weiter. Um 1500 führte er das handliche Taschenbuchformat ein und veröffentlichte klassische Werke in kompakter, tragbarer Form. Auch die kursiven Buchstaben – die Italic – gehen auf ihn zurück.